Im vergangenen Jahr betreute die Spitex 8000 Klientinnen und Klienten. Laut der neuen Studie bis Pflegestufe acht kostengünstiger als im Pflegeheim.
Alters- und Pflegeheime

Neue Studie zeigt: Spitex ist günstiger als Pflegeheim

Im vergangenen Jahr betreute die Spitex 8000 Klientinnen und Klienten. Laut der neuen Studie bis Pflegestufe acht kostengünstiger als im Pflegeheim.

Der Trend weg von der stationären und hin zur ambulanten Betreuung müsse beschleunigt werden. So sieht es Titus Natsch, Direktor der Spitex Region Birs. Er stützt sich auf eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), welche die Spitex Region Birs 2020 in Auftrag gegeben und finanziert hat mit dem Ziel, ihre wichtige Rolle in der Lösungsfindung für eine bessere Altersversorgung aufzuzeigen. Die Ergebnisse der Studie wurden im Jahresbericht 2021 des Spitex-Verbands Baselland vorgestellt.

Die Studie stellt die Betreuung durch die Spitex dem Aufenthalt in einem Alters- oder Pflegeheim gegenüber und vergleicht deren finanziellen Aufwand. Sie kommt unter anderem zum Schluss, dass für Pflegeheimbewohnende bis zur Pflegestufe acht die Spitex eine günstigere Lösung sei. Die Mehrkosten in den Pflegeheimen würden durch die Hotellerie-Leistungen entstehen.

Bis 160 Minuten Betreuung pro Tag ist Spitex günstiger

Auf der Pflegestufe acht könnten laut Natsch schon das Ankleiden, die Körperpflege oder die Wundversorgung nicht mehr ohne Hilfe bewältigt werden, und die Betroffenen benötigten 160 Minuten Pflege pro Tag. Zwei Drittel aller Pflegeheimbewohnenden stünden unterhalb dieser Stufe und könnten somit kostengünstiger von der Spitex betreut werden.

Den Abbau von Plätzen in Alters- und Pflegeheimen schlage Natsch damit jedoch nicht vor, da die Bevölkerung altere und die Nachfrage nach Alterspflege steige: «Es geht nicht um den Abbau von Altersheimplätzen, sondern darum, keine neuen zu schaffen.» Er sehe die Lösung in der Spezialisierung der Altersheime, beispielsweise betreffend die Betreuung von älteren Menschen mit Demenz, mangelndem sozialen Umfeld oder psychischen Problemen, fügt Natsch an.

Die Studie zeigt auch auf, dass die reinen Kosten der Pflege bei der Spitex höher sind als in Altersheimen. Natsch begründet das damit, dass die Spitex höher qualifiziertes Personal habe und auch Personen betreue, die aus dem Spital entlassen wurden und postoperative Behandlung benötigten.

Da die Pflege über die Krankenkasse finanziert wird, könnte eine stärkere Einbindung der Spitex also bedeuten, dass die Krankenkassenprämien steigen. Diese Möglichkeit bestätigt Natsch, stellt ihr aber entgegen: «Wenn andererseits mehr Alters- und Pflegeheimplätze finanziert werden, dann steigen wiederum die Steuern.» Letztendlich stelle sich also nicht die Frage, mit wie viel Geld, sondern über welche Kanäle die Altersversorgung finanziert werde.

Laut Natsch bestätige die neue Studie die Rolle der Spitex, die häufig unterschätzt werde, als wichtiger Player in der Altersversorgung. Dass die Studie von der Spitex finanziert wurde, macht sie in seinen Augen nicht angreifbar, denn sie trage öffentlich zugängliche Daten zusammen. Natsch betont: «Es geht nicht um das Beschönigen von Zahlen, sondern um einen Diskussionsbeitrag für die Öffentlichkeit.»

Die Spitex Region Birs hat die neue Studie verschiedenen Baselbieter Gemeinden präsentiert und sei auf positive Reaktionen gestossen, auch von Vertretenden der Pflegeheime, sagt Natsch.

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