Es und ich 15
Lebensgeschichten

Es und ich 15

Geschichten mit (hoffentlich noch) vielen Fortsetzungen – letztes Kapitel

Ich spüre es – schon seit langem! Meine Kräfte geben nach, mein Herz macht mir wirklich Mühe und das Atmen fällt mir immer schwerer! Ich glaube, es wird langsam Zeit, mich zu verabschieden…

Im August durfte ich noch mit meiner ganzen Familie einen herrlichen Sonntag in der Sihlmatt geniessen, aber irgendwie wusste ich da schon, dass es wohl das letzte Mal war und ich glaube, auch meine Familie wusste das! Ich habe aus diesem Anlass noch mal meine Fotoalben durchwühlt und für jeden ein Couvert vorbereitet mit ganz persönlichen Erinnerungen – das hat mir richtig Freude gemacht und meiner Familie offensichtlich auch! Als ich wieder zu Hause war, merkte ich erst, wie erschöpft ich war; das ist wirklich nichts mehr für mich – solche „Grossanlässe“, aber schön wars trotzdem!

Was bleibt mir nun noch zu tun? Ich kann doch nicht allen sagen, dass ich nun gehen werde, dass meine Zeit nach 97 ½ Jahren abgelaufen ist, dass ich spüre, dass es sich nur noch um Tage handeln kann, bis mein treues Herz seinen Dienst endgültig quittiert – oder doch? Gibt es noch Dinge, die ich in Ordnung bringen sollte, Sachen, die mich beschäftigen und belasten, die ich irgendwie noch bereinigen kann? Ja, ich denke, das gibt es! Also mache ich mich daran, auch hier noch einen guten Abschluss zu finden, sofern das möglich ist! Eines ist mir sehr bewusst: Gewisse Dinge werden sich nicht mehr ändern oder verbessern lassen, jedenfalls nicht von meiner Seite….

Ich telefoniere mit meinem Bruder und meiner Schwägerin und bin ganz ehrlich („ich werde jetzt sterben“), ich „bestelle“ meine Enkelinnen zu mir und verbringe einen wunderschönen Nachmittag mit ihnen, ich habe noch eine Verabredung mit meiner Ärztin, die mir verspricht, dass ich nicht ersticken werde, trotz meiner Atembeschwerden, ich spreche mit meiner Tochter und meinem Schwiegersohn, die in Südfrankreich in den Ferien weilen und noch nicht wissen, dass das unser letztes Gespräch sein wird….

Dann gehe ich nochmals auf meine Terrasse, giesse meine geliebten Blumen, halte einen Schwatz mit einer Nachbarin, fühle mich plötzlich viel besser, sage ihr, dass ich morgen wohl doch runter käme zum Frühstück und gehe schlafen……

Mami ist am 3. September 2021 verstorben – tschautschau Mami, du warst uns ein grosses Vorbild und wir behalten dich immer in unseren Herzen!

© Therese Graf, Erlenbach

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