Alters- und Pflegeheime

Mit Solaranlagen ein Zeichen setzen

Olivier Rosenfeld ist Präsident der Genossenschaft und unterrichtet das Fach Geografie an der Kanti Küsnacht. (Bild db.)

Die Genossenschaft Solécole aus Küsnacht hält nach geeigneten Dächern für Solaranlagen Ausschau. Ende 2020 hat die Genossenschaft eine Anlage auf dem Dach des Alters- und Gesundheitszentrums Tägerhalde realisieren können. 242 Megawattstunden, so viel Strom produziert die Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Alters- und Gesundheitszentrums Tägerhalde pro Jahr. Damit deckt sie rund 80 Prozent des jährlichen Strombedarfs im Alterszentrum. Zum Vergleich: Ein Haushalt mit vier Personen verbraucht pro Jahr rund 4,5 Megawattstunden.

Hinter der Anlage steckt die Genossenschaft Solécole. Sie wurde auf Initiative einiger Schüler sowie Lehrer der Kantonsschule Küsnacht gegründet. Heute zählt sie über 600 Mitglieder. Die meisten sind Angehörige der Schule. Ihr Ziel: die Installation von Solaranlagen fördern.

«Man muss Biss haben»

Angefangen hat es mit dem Neubau der Kantonsschule Küsnacht 2008. Schülerinnen und Schüler eines Wahlkurses, der sich mit Energiethemen befasste, bekamen mit, dass der Neubau über ein grosses Flachdach verfügen würde. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie einige Lehrer war die Installation einer Solaranlage nur folgerichtig. Geografielehrer und heutiger Präsident der Genossenschaft, Olivier Rosenfeld, schloss sich der Genossenschaft damals sofort an: «Es war eine organisatorische Überlegung. Als Genossenschaft können wir unabhängig von der Schule agieren.»

Bis die Anlage im Jahr 2012 in Betrieb genommen werden konnte, war es ein steiniger Weg, erzählt Olivier Rosenfeld: «Wir stiessen sogar beim Kantonsbaumeister auf Widerstand. Man muss Biss haben, wenn man sich durchsetzen will.» Die Anlage finanzierte die Genossenschaft über ihre Anteilsscheine und über die Aufnahme von Darlehen. Das Geld nimmt sie über den Verkauf des Stroms wieder ein. Rund 600 000 Franken kosteten die Anlagen auf dem Dach der Kantonsschule Küsnacht. Der dort produzierte Strom wird allerdings an die EWZ und Swissgrid verkauft und nicht von der Schule selbst genutzt. «Grund dafür ist der Preis. Man muss auch bedenken, dass die ertragreichste Zeit während der Sommerferien ist», so Rosenfeld.

Positive Bilanz nach einem Jahr

Das zweite Projekt der Genossenschaft Solécole bewegte sich in einer grösseren Dimension. Mit der Fotovoltaikanlage auf dem Alters- und Gesundheitszentrum Tägerhalde finanzierte die Genossenschaft eine der grössten Solaranlagen in der Region. Auf den Standort gekommen ist die Genossenschaft wegen der Grösse des Dachs. «Wir fragten bei der Gemeinde nach geeigneten Dächern für Solaranlagen. Auf der Liste wählten wir dann das Grösste aus», erzählt Rosenfeld.

Auch hier bewiesen die Genossenschafter Geduld. Denn nach Baueingabe Anfang 2019 hat ein Anwohner Rekurs eingelegt. Die Person befürchtete, dass die Anlage zu stark blenden und Lärm verursachen würde. «Alte Wechselrichter erzeugen laute Geräusche, doch heutzutage sind sie nahezu geräuschlos», erklärt Rosenfeld. Mehrere Gutachten erklärten die Befürchtungen jenes Anwohners für unbegründet. Letztendlich kostete die Anlage rund 700 000 Franken und konnte Ende 2020 in Betrieb genommen werden. Mittlerweile produziert die Genossenschaft rund anderthalbmal so viel Strom, wie die Schule verbraucht.

Das Resultat lässt sich sehen: 736 Solarpanels, verteilt auf einer Fläche von 1200 Quadratmetern, decken rund 80 Prozent des Strombedarfs des Alters- und Gesundheitszentrums Tägerhalde ab. Der im Sommer überproduzierte Strom wird ins Netz eingespeist und im Winter wird er vom Netz bezogen.

Mit den Anteilsscheinen liess sich das Projekt nicht finanzieren. Über Darlehen von Privatpersonen konnte die Genossenschaft die Kosten decken. Durch den Verkauf des Stroms ans Alterszentrum und an die Werke am Zürichsee kann die Genossenschaft die Darlehen wieder abbezahlen. «Es ist nicht selbstverständlich, so viel Unterstützung zu erhalten. Man muss Vertrauen aufbauen. Das benötigt Zeit», sagt Rosenfeld.

Die Anlage läuft nun seit einem Jahr zuverlässig und die Genossenschaft ist schon an der nächsten Idee dran. Jedes Jahr verbringt die Kantonsschule Küsnacht die Sportferien in einem Gruppenhaus in Sedrun, Graubünden. «Das Gebäude ist gross und verfügt über ein langes Dach. Ideal für eine Solaranlage. Zudem herrscht ein Bezug zu den Schülern», so Rosenfeld.

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