Die Bewohnerzimmer im Hermolingen sind eher klein. Josef Marbacher räumt seine Wäsche in den Schrank.
Alters- und Pflegeheime

Das Altersheim Haus & Hof Hermolingen will ausbauen

Zu eng und in die Jahre gekommen ist das Wohnhaus des einstigen Landwirtschaftlichen Altersheims in Rothenburg. Nun soll ein Anbau her – mehr Zimmer wird es aber nicht geben.

Das Altersheim Haus & Hof Hermolingen an der Stationsstrasse 40 in Rothenburg plant bauliche Veränderungen. Für heutige Ansprüche ist das 83 Jahre alte Wohnheim zu eng. Die 36 Einzelzimmer sind klein, manche nur neun Quadratmeter gross, und verfügen abgesehen von einem Waschbecken über keine Nasszellen. Duschen und Toiletten teilen sich die Bewohner auf den Etagen. Es fehlt an Lager- und Produktionsräumen, auch das Personal hat zu wenige Räumlichkeiten: Für Sitzungen wird schon mal die Werkstatt benutzt.

Es braucht also mehr Platz, ein Neubau soll’s richten. Allerdings bedeutet dies nicht ein Ausbau der Bewohnerzimmer. «Es wird bei zirka 36 Zimmern bleiben, wobei diese etwa doppelt so gross sein werden. Jedes erhält eine Nasszelle mit WC und Lavabo», sagt Heimleiterin Livia Giovanoli. Die Duschen werden auf den Etagen bleiben, da viele Bewohner beim Duschen durch die Spitex Rothenburg unterstützt werden. Hermolingen soll weiter ein einfaches und familiäres Wohnheim bleiben. Es ist aktuell voll besetzt. Giovanoli erklärt die gute Auslastung mit dem besonderen Wohnangebot.

Haus & Hof Hermolingen ist nämlich kein gewöhnliches Altersheim. Es wurde einst vom Luzerner Bauernverband gegründet, um pensionierten Knechten ein Zuhause zu geben. «Man muss sich vorstellen, dass diese Männer auf den Höfen wohnten, wo sie arbeiteten. Nach der Pensionierung hatten sie dort keinen Platz mehr, konnten aber – anders als Mägde – weder Kochen noch sonst für sich sorgen», erklärt Livia Giovanoli. Nach wie vor sind alle Bewohner Männer, rund die Hälfte kommt aus der Landwirtschaft, andere haben einen handwerklichen Hintergrund. Sie können oder wollen nicht allein wohnen und sind dankbar für Struktur im Alltag. «Fürs Pflegeheim sind sie noch zu fit», so Giovanoli. Hermolingen ist denn auch kein Pflegeheim, sondern bietet betreutes Wohnen an.

Besonders an Hermolingen ist auch das weitere Angebot: Die Institution verfügt über einen grossen Garten, eine Werkstatt und einen Bauernhof. Die Bewohner können mitarbeiten, auch in der Küche, die neben den Mahlzeiten die meisten Produkte für den Hofladen herstellt. Giovanoli: «Viele Bewohner wollen weiter arbeiten und sind froh, sich sinnvoll zu betätigen.» Dank Garten und Hof ist das Heim im Sommer weitgehend Selbstversorger, auch finanziell ist die Institution, die als Stiftung organisiert ist, selbsttragend.

Der Hof ist seit 2013 an die Familie Kritzer-Burkart verpachtet. Vor kurzem hat sie die Scheune im Baurecht übernommen. Da diese nicht mehr dem heutigen Standard entspricht, wird sie umgebaut und mit einem Laufstall und Melkroboter erweitert. Der Bau hat bereits begonnen und soll innert Jahresfrist abgeschlossen sein. Mit dem Umbau wird gleichzeitig der Kleintierbereich erweitert, «damit die Bewohner weiter auf dem Hof tätig sein können, auch wenn im Stall mehr automatisiert ist», sagt Livia Giovanoli.

Neubau wird mit dem Haupthaus verbunden

Zurück zum Bauprojekt des Wohnhauses: Die Stiftung hat einen Studienauftrag an vier Architekturbüros vergeben. Schon bald wird das Siegerprojekt für den Neubau gekürt. «Eine Voraussetzung ist, dass dieser ins Gebäudeensemble passt und mit dem bestehenden Haus verbunden wird», sagt Giovanoli. Letzteres bleibt also stehen, soll aber saniert und modernisiert werden. Wo genau der Anbau zu stehen kommt, ob hinter oder neben dem Haus, hat man den Architekten offen gelassen. Möglich ist, dass dafür der Garten versetzt werden muss.

Bis mit dem Umbau gestartet werden kann, dauert es aber noch mindestens drei Jahre. Denn es braucht eine Teilrevision des Zonenplans: Das Land muss von der Landwirtschafts- in eine Bauzone umgewandelt werden. Voraussichtlich wird die Rothenburger Bevölkerung 2023 über die Umzonung entscheiden. Laut Livia Giovanoli steht der Gemeinderat dem Bauprojekt wohlwollend gegenüber.

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