Alters- und Pflegeheime

Kurzzeit-Pflege boomt bei Senioren

Viele ältere Menschen lassen sich wenn möglich lieber zu Hause betreuen. Dahinter stecke der Wunsch nach Selbstständigkeit, heisst es bei Pro Senectute.

Das Wichtigste in Kürze

Die Nachfrage nach Kurzzeitbetreuung von älteren Menschen steigt. Auch im Alter wollen die Menschen selbstständig zu Hause bleiben, erklärt Pro Senectute. Verschiedene Unterstützungsangebote ermöglichen dies auch.

Die Nachfrage nach Plätzen in Tages- oder Nachtstrukturen (ToNS) stieg 2019 um fast einen Fünftel im Vergleich zum Vorjahr. Damit waren gut 1850 Plätze verfügbar. Die Anzahl Personen, die solche Dienste nutzten, stieg um 11,6 Prozent auf rund 5800 Kundinnen und Kunden. Bedeutet das, dass sich mehr pflegebedürftige Menschen gegen einen Aufenthalt im Pflegeheim entscheiden und lieber zu Hause bleiben wollen? Nein, schreibt Tatjana Kistler, Medienverantwortliche von Pro Senectute, auf Anfrage von Nau.ch. «Es dürfte aber eine Folge der demografischen Entwicklung sein: Die Menschen werden heute älter und sind – auch im Alter – gesünder.»

Markus Leser ist Leiter Fachbereich Menschen im Alter beim Branchenverband Curaviva Schweiz. Er stellt einen Trend zu Pflegeformen «zwischen Pflegeheim und Zuhause» schon länger fest, und begrüsst diese Entwicklung. «Die Menschen entscheiden sich nicht gegen das Pflegeheim, sondern die Vielfalt wird grösser.» Dazu gehörten auch Tages- und Nachtstrukturen.

Kistler hat eine Erklärung dafür, warum ältere Menschen lieber zu Hause bleiben statt in ein Heim zu ziehen: «Der Wunsch der älteren Menschen ist gross, möglichst lange selbstständig in ihrem Zuhause leben und alt werden zu können.» Wie eine Studie von Pro Senectute zeige, habe die Wohnsituation einen grossen Einfluss auf die Lebensqualität und die Zufriedenheit. «Die Bewahrung der Selbstständigkeit ist ein wichtiges Bedürfnis», so Kistler.

Deshalbe biete auch Pro Senectute Dienstleistungen für ältere Menschen. Um aber im hohen Alter so lange wie möglich selbstbestimmt zu leben, bedürfe es frühzeitiger Planung und Überlegungen.

Leser sagt: «Ein Umzug im hohen Alter ist ein einschneidendes Erlebnis, vielleicht der schwerste Umzug überhaupt.» Es gehe um Abschiednehmen und ein Annähern ans Lebensende. Der Umgang mit dem nahenden Tod falle vielen Menschen nicht leicht.

Zwar wollen die meisten Menschen zu Hause alt werden. Leser sagt: «Oft stellt sich nicht die Frage, wo sie leben wollen, sondern wo sie leben können. Je nach dem gibt es pflegerische Gründe, die man gar nicht zu Hause decken kann.»

Eine wichtige Rolle in der Betreuung von älteren Menschen spielen die Angehörigen, häufig die Ehepartner, so Leser. Auch Kistler schreibt, in der Anfangsphase könnten Angehörige die Betreuung in den eigenen vier Wänden gut leisten. Doch sie können an ihre Grenzen stossen. «Mit zunehmendem Pflegebedarf wird dies zur Herkulesaufgabe für das persönliche Umfeld.»

Hier kommen Tages- und Nachtstrukturen, also Kurzzeitaufenthalte in Pflegeinstitutionen, ins Spiel. Markus Leser: «Zwischenstrukturen geben Alternativen.» Sie böten die Möglichkeit, dass die betreuende Person entlastet werde. Zudem können ältere Menschen so die Pflegeinstitution kennenlernen, was häufig Hemmschwellen für einen Umzug abbaue.

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