Lebensgeschichten

Es und ich 14

Geschichten mit (hoffentlich noch) vielen Fortsetzungen.

Ich kann mich wirklich nicht beklagen – mein Kopf funktioniert noch einwandfrei, soweit ich das beurteilen kann… doch, doch, das sagen alle um mich herum! Und dennoch, manchmal passieren mir wirklich komische Sachen: ich verwechsle Namen und Zeiten, vergesse Termine und habe etwas ganz anders in Erinnerung und könnte schwören, dass es genauso war… Das beunruhigt mich schon etwas und da nützt es auch nichts, wenn alle sagen, ja weisst du, das passiert mir auch dauernd…. Ich will aber nicht, dass mir das passiert, es ärgert mich und ich habe dann schnell das Gefühl, dass ich nicht mehr ernst genommen werde von meiner Umgebung. Gut, man kann jetzt sagen, das sei ja ein Luxus-Problem, welches ich da mit 96 Jahren hätte, aber trotzdem, es macht mir zu schaffen!

Körperlich gehr es mir so einigermassen – ich versuche auch hier nicht zu klagen! Aber ehrlich gesagt würde ich ohne Rollator wahrscheinlich keinen Schritt ohne Begleitung aus dem Heim wagen – er gibt mir einfach die nötige Sicherheit und den dringend benötigten Halt! Und wenn meine Urgrosskinder mich besuchen, dient er auch zugleich als Fahrgelegenheit und dann kommt es sogar vor, dass ich manchmal ein paar Schritte renne, nur damit der oder die Kleine auf dem Rollator vor Freude kreischt!

Seelisch geht’s mir seit Corona nicht so gut – ich vermisse die Umarmungen und die Nähe meiner Lieben und habe das Gefühl, dass alle viel distanzierter sind als vorher. Ich hoffe sehr, dass sich das irgendwann wieder normalisiert, aber ehrlich gesagt, bin ich da nicht so sicher! Man kann sich ja auch an Distanz gewöhnen – leider!

Dieser Sommer 2020 ist nun – so glaube ich – endgültig vorbei und bald schon werde ich meine Sommerkleider gegen die wärmeren Sachen austauschen müssen – so schade, ich liebe die warme Jahreszeit! Wenn alle stöhnen, weil es soooo heiss ist, genau dann fühle ich mich am wohlsten. ‘Jä nu’ – dann werde ich halt wie alle andern wieder vermehrt im Zimmer sitzen und mich irgendwie beschäftigen oder mit meiner Tochter wieder mal einkaufen gehen oder eine Fahrt mit dem Schiff wäre auch schon längstens wieder mal fällig und übrigens werde ich nächstens – so Gott will – meinen Bruder mal besuchen, der auch im Altersheim ist aber leider nicht grad am Weg! Manchmal staune ich, dass man auch im Alter noch so viele Wünsche haben kann, doch ich glaube, die erhalten mich am Leben und das ist gut und schön so!

© Therese Graf, Erlenbach

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