Das Personal in Spitälern und Heimen braucht mehr als Lippenbekenntnisse: Bundesrat Alain Berset telefoniert in einer Besucherbox mit einer Bewohnerin in einem Zürcher Altersheim.
Alters- und Pflegeheime

Die Bewährungsprobe kommt noch

Die Schweiz hat in der Krise Gemeinsinn bewiesen. Auch künftig ist Solidarität gefragt: Systemrelevante Arbeitskräfte – mehrheitlich Frauen – müssen finanziell bessergestellt werden. Der Innenminister zieht Bilanz.

Das Personal in Spitälern und Heimen braucht mehr als Lippenbekenntnisse: Bundesrat Alain Berset telefoniert in einer Besucherbox mit einer Bewohnerin in einem Zürcher Altersheim.Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Unser Alltag fühlt sich gleichzeitig vertraut und doch fremd an. Gelockert, aber noch nicht locker. Trottoirs und Strassen sind fast so belebt wie vor der Krise, Schulen sind endlich wieder offen, die Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf. Aber die Gefahr eines Rückfalls bleibt präsent, die Vorbereitungen für eine mögliche zweite Welle laufen. Das Virus ist noch da, und die Abstands- und Hygieneregeln sind noch immer unverzichtbar. Sorglosigkeit könnte sich rächen. Das ist ein täglicher Balanceakt zwischen Lebensfreude und Selbstdisziplin, zwischen Aufatmen und Sorge.

Kein Gemeinsinn ohne Eigenverantwortung

Ist es auch ein Balanceakt zwischen Eigenverantwortung und Gemeinsinn? Nein, dieser vermeintliche Gegensatz hat sich in der Corona-Krise als Begriffspaar erwiesen, das unsere Gesellschaft verklammert. Kein Gemeinsinn ohne Eigenverantwortung.

Wir konnten es in den letzten Wochen und Monaten erleben: Verantwortung ist nicht teilbar in Verantwortung für sich selbst und Verantwortung für die anderen. Wer sich vorsichtig verhält, schützt die anderen. Und indem die anderen sich vorsichtig verhalten, schützen sie uns. Eigenverantwortung führt so zu solidarischem Handeln und befördert den Gemeinsinn.

Wir haben gezeigt, dass wir füreinander da sind, wenn es darauf ankommt. Unabhängig davon, ob wir selbst zu stärker Gefährdeten gehören oder nicht. Und trotz der grossen kulturellen und sprachlichen Vielfalt in unserem Land und trotz der weltanschaulichen Differenzen. Allen – fast allen – war und ist bewusst, dass Nachlässigkeit oder gar Rücksichtslosigkeit all das gefährdet, was wir in den letzten Monaten zusammen erreicht haben.

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