Im Alterszentrum Weihermatt in Urdorf setzt man auf eine Besuchsbox aus Plexiglasscheiben.
Alters- und Pflegeheime

Container, Appartement oder Box: So kreativ ermöglichen Limmattaler Altersheime Besuche

Im Alterszentrum Weihermatt in Urdorf setzt man auf eine Besuchsbox aus Plexiglasscheiben. Die Lockerung des Besuchsverbots in Pflegeheimen ist nach Wochen des Verzichts ein Lichtblick für Seniorinnen und Senioren und ihre Angehörigen. Umarmungen und Körperkontakt sind aber nach wie vor nicht erlaubt. Es gilt auch weiterhin, die Bewohner vor dem Coronavirus zu schützen. Limmattaler Alters- und Pflegeheime haben unterschiedliche Wege gefunden, den Senioren den Kontakt mit Familien und Freunden zu ermöglichen. Dabei legten sie grosse Kreativität an den Tag.

Im Seniorenzentrum Im Morgen in Weiningen hat die Heimleitung für ihre 86 Bewohnenden ein Appartement mit zwei Räumen zu einer Besuchsstube hergerichtet. «In die Verbindungstüre wurde eine Glasscheibe und eine Tischfläche montiert», sagt Zentrumsleiter René Brüggemann. Die Kommunikation wird anhand interner Telefone sichergestellt. «Die Besucher betreten ihren Teil der Stube vom Garten her, unsere Bewohner bleiben im Haus und erreichen ihren Teil der Stube über den Flur», erklärt Brüggemann. Für ein halbstündiges Treffen müssen sich die Besucher telefonisch anmelden. «Die Bewohner werden von Mitarbeitern in die Besuchsstube begleitet, führen das Gespräch aber allein. Intimsphäre ist uns wichtig.» Die Lösung sorgt für Mehraufwand. «Doch dieser ist gut investiert», findet Brüggemann. Das Angebot wird rege genutzt. «Jeden Nachmittag finden fünf bis acht Besuche statt. Zudem unterhalten sich Bewohner pro Morgen über Skype-Sitzungen drei bis vier Mal mit ihren Angehörigen», sagt Brüggemann.

Im Alterszentrum Weihermatt in Urdorf setzt man auf eine Besuchsbox. «Die Besucher gelangen über die Balkonterrasse in die Box. Unsere Bewohner betreten durch das Gebäude das Zimmer, in der sich die Box befindet», sagt Gesamtleiter Otto Kaufmann. Sie besteht aus Plexiglas. «Einige Mitarbeiter erschraken, weil sie die Scheiben anfangs gar nicht bemerkten.» Die transparente Box schaffe Nähe, auch wenn das Glas dazwischenstehe. Kaufmann ist zufrieden mit der Lösung. «Wir haben verschiedene Optionen geprüft und fanden diese am besten. Holz wäre heikler zum Desinfizieren.» Die Box könne einfach gereinigt werden. Zudem könne man sie gut aufbauen und wieder demontieren. «Wir wollten etwas Nachhaltiges, das wir auch nach der Coronakrise brauchen können. Die Besuchsbox können wir zum Beispiel auch aufstellen, wenn ein Bewohner wegen eines Infekts geschützt werden muss und er seine Angehörigen trotzdem sehen will.» Die neue Kontaktmöglichkeit kommt gut an. «Unsere 91 Bewohner waren fast acht Wochen von ihren Angehörigen getrennt. Die Freude ist gross, dass Treffen wieder möglich sind. Dementsprechend ist die Box für die zwei kommenden Wochen praktisch ausgebucht.»

Bewohner haben Freude an Briefen und Postkarten

Im Alterszentrum am Bach in Birmensdorf können die 61 Bewohnerinnen und Bewohner ihre Angehörigen über ein Besucherfenster sehen. «Diese Lösung ist dank der baulichen Situation des Gebäudes möglich», sagt die stellvertretende Zentrumsleiterin Elke Hiller. Die separate Ecke verfügt über einen eigenen Eingang und eine Wartezone draussen. «Unsere Mitarbeitenden empfangen die Besucher dort und fragen sie nach Corona-Symptomen. Nur gesunde Personen erhalten Einlass. Wer rein darf, erhält zudem einen Mundschutz.» Der durch die Mitarbeitenden begleitete Kontakt durch das Besucherfenster werde geschätzt und sei durch die vorgängige Buchung eines Zeitfensters möglich.
Nichtsdestotrotz seien Telefon- und Videoanrufe nach wie vor beliebt. «Das Telefonieren lässt mehr Intimität zu als das Fenster, da sich dort die Pflegemitarbeiterin im Hintergrund aufhält und die Einhaltung der Distanz- und Hygieneregeln überwacht, was zu einem Mithören der Gespräche führt», sagt Hiller. Freude hätten die Bewohner auch an Briefen und Postkarten. «Diese Botschaften sind nachhaltig und können im Zimmer aufgestellt werden.» Die Senioren könnten immer wieder darauf zurückgreifen und sie lesen. «Vor allem für demente Bewohner ist diese Form des Kontakts sehr wertvoll. Sie zeigen uns stolz die Karten, die sie von Angehörigen erhalten haben», sagt Hiller.

Keine Mühe scheute man auch im Alterszentrum Sandbühl in Schlieren. Man entschied sich nicht wie bei den anderen Altersheimen für eine interne, sondern eine externe Lösung. Die Heimleitung richtete einen Besucherpavillon mit zwei separaten Eingängen in einem zugemieteten Bürocontainer ein. Dieser wurde für die Ansprüche des Sandbühls ausgebaut. «Wir liessen eine fixe Trennwand rausbrechen. Ein Schreiner hat für uns eine Trennwand aus Holz und Glas erstellt», sagt Daniel Wenger, Leiter Abteilung Alter und Pflege der Stadt Schlieren. Die Scheibe reicht nicht ganz bis zur Decke hoch, damit sich die Besucher und Bewohner akustisch gut hören können. «Wir wollen nicht an Hollywoodstreifen erinnern, in denen man nur durch Glasscheiben übers Telefon kommunizieren kann», sagt Wenger.

15 Minuten werden zum Desinfizieren einberechnet

Wert legte man auf eine wohnliche, heimelige Atmosphäre. «Der Pavillon ist mit Vorhängen, Teppich und Möbeln ausgestattet. Es soll sich anfühlen, als befände man sich in einem normalen Zimmer.» Besucher müssen sich anmelden. «Das Personal nimmt die Angehörigen in Empfang und weist sie in den Pavillon, wo die Bewohner sie oft schon sehnsüchtig erwarten», sagt Wenger. Nach jedem Besuch wird der Pavillon desinfiziert. «Wir brauchen 15 Minuten, bis alles für die nächste Partei bereit ist. Deshalb sind die Besuche auf eine Dauer von 45 Minuten limitiert.» Das Sandbühl lässt sich diese Besuchsmöglichkeit etwas kosten. 1150 Franken beträgt die monatliche Miete für den Container. Für die Trennwand gab man 3000 Franken aus. «Die Kosten sind vertretbar für den Nutzen, den es unseren 83 Bewohnern bringt», sagt Wenger. Der Aufwand sei es allemal wert, wenn man die glücklichen Gesichter der Senioren sehe, wenn sie vom Pavillon zurück ins Sandbühl kehren.

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