Mimi Motz winkt ihrer Tochter auf dem Parkplatz unten zu – richtige Besuche sind verboten im Alterszentrum Geeren.
Erlebtes

Winken und Handküsschen vom Balkon

Die Lage ist ernst. Am Eingang des Alterszentrums im Geeren (Azig) in Seuzach steht eine grosse Eintrittsverbotstafel. Doch auf dem Parkplatz vor dem Haus herrscht um 11 Uhr vormittags Geschäftigkeit: Helferinnen und Helfer des Mahlzeitendienstes fahren mit ihren Autos an die Rampe und laden die Essensboxen ein. Edelbert Boos aus Seuzach hat heute eine grosse Fuhr vor sich. 25 Mahlzeiten muss der 79-Jährige ausliefern. Am Tag zuvor waren es sogar 29 Portionen. «Die Alten bringen das Essen zu den Alten», kommentiert er seine freiwillige Dienstleistung vergnügt. Er werde dafür ungefähr zwei Stunden benötigen.

Für den Seuzacher ist das sozusagen der Courant normal. Ausser, dass er und Gottlieb Werner (89) aus Hettlingen, der auch als Auslieferer im Einsatz ist, die Boxen nicht von Hand zu Hand entgegen nehmen. Diese stehen, vom Küchenpersonal des Alters- und Pflegezentrums auf der Rampe aufgeschichtet, parat.

20 Prozent mehr Mahlzeiten

Küchenchef Nik Huber beobachtet das Geschehen und schaut, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Die Anzahl bestellter Mahlzeiten hätten um 20 Prozent zugenommen. Das tönt nach mehr als es ist: Effektiv sind die Anzahl bestellter Portionen in diesen Tagen von 50 auf 60 gestiegen. «Wir gehen aber davon aus, dass die Nachfrage zunehmen wird», sagt der 62-Jährige, der im elften Jahr im Azig kocht und davor in der Klinik Lindberg in Winterthur in der Küche stand.

Sollte dies der Fall sein, überlege er sich, von den Boxen auf vakuumierte Essensbeutel umzusteigen. Diese könnten dann zu Hause aufgewärmt werden. «Die Kundschaft passt auf jeden Fall zu uns», sagt Huber. Sieben Gemeinden beziehen Mittagessen vom Azig, für Menschen, die wegen Unfall, Krankheit oder altersbedingt nicht mehr selbst kochen können.

Und was erhalten die Empfängerinnen und Empfänger am heutigen Dienstag auf den Tisch? Ein Blick in die Box, die inklusive Transport für etwa 15 Franken zu haben ist, offenbart ein Pasta-Gratin mit Rüebli und Speck. Dazu gibt es Bouillon, gemischten Salat. und einen Zitronencake. «Am Mittwoch steht Schnipo mit Erbsli und Rüebli auf dem Programm», verrät der Küchenchef, der für seine Menüs in der Regel viel Lob entgegen nehmen kann. «Manchmal gibt es natürlich auch Reaktionen von einzelnen, denen etwas nicht geschmeckt hat», räumt er ein. Seine Küche sei halt so, wie man zu Hause koche.

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