Lebensgeschichten

Es und ich 10

Geschichten mit (hoffentlich noch) vielen Fortsetzungen.

Nun ist es vorbei: Weihnachten, Silvester, Neujahr, alles passé! Einerseits bin ich froh, dass nun wieder der Alltag einkehrt mit all den Regelmässigkeiten, die ich wirklich sehr schätze: Gymnastik am Montagmorgen, Spielen am Dienstag, Filmvorführungen am Mittwoch und so weiter und so fort. Auch sind nun alle Bewohner wieder da, ausser Vreni und Fritz, die haben die Festtage leider nicht mehr erlebt! Es macht mich schon jedes Mal etwas traurig, wenn wieder jemand einfach nicht mehr da ist. Manchmal begegne ich jemanden beim Nachtessen, wechsle noch ein paar Worte mit ihm und am Morgen heisst es dann: er oder sie sind in der Nacht gestorben! Ich glaube, ich gewöhne mich nie an solche Nachrichten – aber ich weiss ja, dass das Sterben hier im Altersheim einfach zum Leben dazu gehört…

Aber zurück zu den Weihnachtstagen – die waren wirklich schön! Am 24. Habe ich zusammen mit meiner Tochter, ihrem Partner, den beiden Enkeln und Anhang bei ihnen zu Hause gefeiert und wir haben sogar ein englisches Weihnachtslied zusammen gesungen, obwohl ich ja kein Wort Englisch kann, aber ich hab halt einfach „Stille Nacht“ gesungen statt „Silent Night“ – hat ja keiner gemerkt! Mein kleiner Urenkel, der hauptsächlich Französisch spricht, hat mit seiner Grossmutter – also meiner Tochter – „papa Noël“ gesungen und es war wirklich herzerwärmend! Die Schwiegereltern meines Enkels kommen aus Brasilien und ich kann kein Wort mit ihnen sprechen, aber wir unterhalten uns mit Gesten und mit Hilfe der andern irgendwie doch ganz gut! So habe ich meine internationale Weihnachtsfeier trotzdem sehr genossen und zum Glück ist ja dann beim Festessen die Sprache nicht mehr so wichtig!

Dann kamen Silvester und Neujahr, aber sonst niemand! Alle waren unterwegs und ich habe versucht, mich mit dem Silvesterprogramm am Fernsehen zu unterhalten. Aber Denkste – das ist
einfach nichts mehr für mich, nur Geschrei und alles Englisch und überhaupt! Da bin ich halt dann um 11 Uhr ins Bett geschlüpft. Doch auch das war keine gute Idee, denn dann hat die Knallerei draussen begonnen und nicht mehr aufgehört – uuh, es ist einfach nicht mehr wie früher!

Doch jetzt ist alles vorbei und wie gesagt – der Alltag hat mich wieder. Heute werde ich die Weihnachtsdeko wegräumen und aufpassen, dass ich alles in die richtige Schachtel verstaue, damit
ich die Sachen dann im Dezember wieder finde ;-). Die Sternchen am Fenster lasse ich wieder, die kleben nun schon den zweiten Winter an den Scheiben und mich stört es nicht – ich hoffe, das
Reinigungspersonal auch nicht! Und jetzt geht’s auf zum Turnen, mal schauen, ob der Weihnachtsspeck ein bisschen verschwindet!

© Therese Graf, Erlenbach

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