Raumpflegerin statt Putzfrau: Hört auf mit der Schönrederei!
Alters- und Pflegeheime,  Erlebtes

Raumpflegerin statt Putzfrau: Hört auf mit der Schönrederei!

Ein Regalbrett voller Reinigungsmittel: Werkzeug einer Putzfrau. (Bild: Benjamin Manser)

Das «Notkerianum» und der «Lindenhof» haben sich getrennt. Nicht voneinander, sondern von zwei Worten: Die zwei Institutionen nennen sich nicht mehr «Alters- und Pflegeheim». Neu heissen sie «Notkerianum Betreuen Pflegen Wohnen» und «Lindenhof Betreuen Pflegen Wohnen».

Der Kopf schwirrt, das war aber nicht das Ziel. Das «sanfte Rebranding» solle die Verbundenheit der Unternehmen unterstreichen, schreiben die Verantwortlichen. Aha, Marketing. Die Worte «Alters- und Pflegeheim» waren wohl abgedroschen und abgenutzt, aber vor allem zu negativ. Statt von alten Leuten mit Rollatoren spricht man von Personen im besten Alter mit Gehhilfe. Ganz so, wie es zur Dienstleistungsgesellschaft voller glücklicher, strahlender Menschen passt.

Heutzutage wird schier alles beschönigt. Nicht nur in der Werbung, auch in der Arbeitswelt. Der Verlust wird zum negativen Gewinn, Entlassungen zur Betriebsoptimierung und ein Problem zur Herausforderung. Der Hausmeister ist ein Facility Manager und die Putzfrau eine Raumpflegerin.

Kein Wunder leiden immer mehr Personen unter Depressionen – Pardon – Schwermut. Das Schönreden greift um sich. Jeder verbirgt sich hinter einer Fassade, niemand spricht mehr über seine wahren Gedanken, alle konzentrieren sich auf das Positive. Auch der unbeliebte Montag gehört der Vergangenheit an. Stattdessen heisst es Wochenstart. Und das nahe Ferienende wird zum baldigen Feierabendbeginn: denn ohne Arbeit, keine Freizeit.

Mehr Ehrlichkeit wäre oft nicht schlecht. Nein, es wäre sogar gut. Eine bittere Wahrheit wird oft besser akzeptiert, als eine schöne Lüge. Auch wenn der Name – die Verpackung – ändert, der Inhalt bleibt gleich. Statt eine schlechte Sache also schönzureden, sollte man sie bereden – aber nicht zerreden. Zuhören ist schliesslich auch eine Tugend.  Hier können Sie den ganzen Originaltext lesen auf der Seite von www.tagblatt.ch

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