Lebensgeschichten

Es und ich 8

Geschichten mit (hoffentlich noch) vielen Fortsetzungen

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Nein – es ist nicht immer einfach, ganz und gar nicht! Zum Beispiel am Tisch: da sitzen wir friedlich zu viert (alles Frauen) beisammen und warten auf das Essen. Und kaum ist es da, fängt „sie“ wieder an: oh, schon wieder Kartoffeln und dieses Fleisch, das ist einfach so was von zäh und wieso bekomme ich weniger als ihr und wo ist mein Mineralwasser….. und die andern zwei stimmen ihr einfach immer zu – ist wahrscheinlich einfacher so! Aber mich nervt es. Man muss doch auch einmal einfach zufrieden sein und dankbar, denke ich und dann sage ich es auch. Aber oha – da bin ich an der falschen Adresse! Ja, du kannst schon sagen, aber mir geht’s einfach nicht gut und mein Blutdruck und mein Cholesterin und mein Blutzucker und überhaupt…. Dabei würde es ihr wahrscheinlich besser gehen, wenn sie nicht immer nörgeln würde, das ist bestimmt ungesund für ihren Blutdruck und was sie sonst noch so alles hat oder nicht hat.

Nein, es ist nicht immer einfach, wirklich nicht und jetzt habe ich genug! Seit Tagen schon habe ich Kopfweh und das ist für mich schliesslich auch nicht gut und ich bin sicher, das kommt davon, dass ich mich am Tisch einfach nicht mehr wohlfühle und auch das Essen nicht mehr geniessen kann!

Ich bespreche mein Problem mit der Pflegedienstleiterin und sie hat Verständnis (ich glaube, sie hat schon gemerkt, dass es bei uns nicht so „harmonisch“ läuft): ab heute sitze ich an einem andern Tisch zusammen mit zwei zufriedenen, kultivierten BewohnerInnen, mit denen man auch mal ein Gespräch führen kann ohne Jammern und Kritisieren und die auch nicht immer von ihren Wehwehchen erzählen müssen – oh, ist das schön! Gut, meine Tochter meint, es wird auch an diesem Tisch Momente geben, wo du Mühe haben wirst und du kannst ja dann nicht immer den Tisch wechseln, wenn es dir nicht mehr gefällt. Ja, ja ist schon gut, wir werden ja sehen – im Moment geniesse ich es einfach und plötzlich ist auch mein Kopfweh wieder weg!

Und was machen die andern drei jetzt alleine an ihrem Tisch? Schauen mich böse an, wenn ich vorbeigehe und reden hinter mir her – aber ich höre ja zum Glück nicht mehr so gut und verstehe darum auch nicht, was sie sagen… ich ahne es höchstens, aber darüber zerbreche ich mit jetzt sicher nicht den Kopf!

© Therese Graf, Erlenbach

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