Lebensgeschichten

Es und ich 6

Geschichten mit (hoffentlich noch) vielen Fortsetzungen

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Welche Aufregung! Dabei hat alles ganz harmlos angefangen: ich bekam einen Brief des Gemeindepräsidenten – nein, natürlich nicht persönlich – aber es hat sich so gelesen. Er wollte mir zu meinem Geburtstag gratulieren und mir einen kleinen Besuch abstatten. Das ist ja nett, habe ich mir gedacht und mir vorsichtshalber mal das Datum in meinem Kalender angestrichen. Dann habe ich es fast wieder vergessen, bis am Morgen des angekündigten Besuchs plötzlich alle um mich herum nervös wurden. Und ich dann schliesslich auch….  Eine Betreuerin hat mir die schönsten Kleider bereit gemacht und mich „frisiert“ und das Zimmer wurde aufgeräumt, der Tisch zum Kaffee gedeckt und irgend jemand hat noch ein weisses Tischtuch hergezaubert. Fast hätte man meinen können, der König von Stäfa käme zu Besuch! Langsam wurde es mir ein bisschen unheimlich und ich war gar nicht mehr sicher, ob ich mich überhaupt freuen sollte. Eigentlich kannte ich ja diesen Herrn gar nicht und er mich auch nicht – also was sollte das Ganze?

Als der „hohe“ Besuch dann endlich eintraf, war alles gar nicht mehr so schlimm. Was für ein netter Mann und so bescheiden! Nachdem er mir vier Flaschen Wein und seine Glückwünsche überbracht hatte, haben wir eine Weile zusammen geplaudert und Kaffee getrunken – er wollte wissen, wies mir geht und was ich so mache und wie er sich jeweils freue, betagten Einwohnern seine Glückwünsche überbringen zu dürfen, dann hat er mir auch noch etwas über meine Gemeinde erzählt, was die alles so planen und wie schwierig das manchmal sei, genügend Geld für ein Projekt zu bekommen usw. usf. Nach einer halben Stunde war alles wieder vorbei und ich ziemlich erschöpft, aber nicht vom Besuch selbst, sondern mehr vom ganzen Drumherum.

Nun ist wieder Ruhe eingekehrt und ich geniesse das unaufgeregte Treiben um mich herum – Alltag ist auch schön!

Folge 7

© Therese Graf, Erlenbach

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