Erlebtes

Es und ich 3

Geschichten mit (hoffentlich noch) vielen Fortsetzungen

Folge 1
Folge 2

Nun ist dieser wundervolle Sommer vorbei und ich sitze wieder vermehrt in meinem Zimmer. Plötzlich bleibt mir wieder vieeeeel Zeit und irgendwie möchte ich diese schon sinnvoll nutzen. Klar, meine Bewegungen und mein Geist sind langsamer geworden und ich frage mich öfters, wie ich das denn früher gemacht hatte, als ich noch „zu Hause“ war: Einkaufen, waschen, putzen, kochen, aufräumen, bügeln und so weiter und so fort.

Heute werde ich mal wieder die alten Fotos ausmisten – oder ja, wenigstens mal durchschauen, wegwerfen geht sowieso nicht, das ist noch so eine Angewohnheit von früher: ja nichts fortwerfen, wer weiss, wozu man das noch brauchen kann! Und Fotos sind schliesslich Erinnerungen und die sind kostbar. Also nur durchblättern und schwelgen! Ah hier, das war doch anno 1955 – oder wars 1956? Eine Reise nach Italien glaube ich oder ins Tessin? So genau weiss ich das jetzt grad nicht mehr, aber es war schöööön, daran erinnere ich mich noch.

Manchmal macht mir das schon etwas Angst – nur noch Erinnerungen haben und keine Pläne mehr für die Zukunft machen, schon irgendwie komisch…. Ah doch, vielleicht könnte ich mich ja jetzt noch auf meinen 95. Geburtstag freuen, da werde ich mit meiner inzwischen recht grossen Familie feiern, wenn ich es denn noch erlebe! Ich könnte mir ja schon ein wenig Gedanken machen, wie und wo wir das feiern. Ja und da gibt’s noch die Zwillinge meiner Enkelin, die kürzlich zur Welt kamen – die möchte ich schon auch noch etwas geniessen und vielleicht auch den nächsten Frühling, wenn ich wieder frische Blumen pflanzen kann auf dem Balkon. Wenn ich es mir so richtig überlege, gibt’s ja da schon noch einiges zum Planen und Freuen – so schön!

Uiuiui – jetzt ist schon wieder Zeit zum Essen. Heute hat Frau Müller Geburtstag (wie heisst jetzt die schon wieder mit Vornamen??) und da gibts wieder mal Kartoffelstock, herrlich! Schnell noch meinen Stock suchen – wo ist er denn jetzt schon wieder – ah hier, hinter der Türe und ab geht’s Richtung Speisesaal. Auf dem Weg zum Lift trifft man diesen und jenen und wechselt noch schnell ein paar Worte: Sali Trudi, wie geht’s dir heute? Grüezi Alfred, auch schon unterwegs? Und dann ist Warten angesagt, da es im Lift leider nur Platz für 2 Personen inkl. Rollator hat, brauche ich manchmal 5 Minuten, bis ich im Esssaal ankomme und dann gibt’s ein paar vorwurfsvolle Blicke, weil ich zu spät dran bin! Aber was kann ich denn dafür, wenn die so einen kleinen Lift einbauen, ich kann ja schliesslich nicht die zwei Stockwerke nach unten fliegen!

Das Essen ist herrlich wie fast immer und ich geniesse die schön angerichteten Speisen. Ehrlich gesagt, bei mir zu Hause hat das nie so schön ausgesehen, ich war keine begeisterte Köchin und das hat man gemerkt, jä nu – nobody is perfect, würden meine Enkel zu mir sagen oder: es gitt schlimmers, meine Kinder! Offenbar hatte ich dafür andere Qualitäten….

Folge 4
Folge 5

© Therese Graf, Erlenbach

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.